Ich mache mich selbstständig! Und weiter? (Teil 2)

Wie kann die Gründung finanziert werden?

Auf diese Frage gibt es wiederrum viele Antworten, ihr könntet wieder die Familie und Freunde fragen, Banken geben auch gerne Kredite oder vielleicht eine Förderung? Da wir hier von einer IT Beratung reden, handelt es sich um eine Firma die nichts in Hardware (mal von Notebooks und Handys abgesehen) investieren muss. Ihr braucht theoretisch auch kein Büro, da ihr nur beim Kunden sein werdet und müsst auch keine Maschinen anschaffen. Was erst einmal gut klingt, wird bei der Besorgung von finanziellen Mitteln zum Hindernis. Banken wollen Sicherheiten und Förderungen teilen Ihre Programme gerne nach Sachgüter und Gehälter auf. Ohne Sachgüter oder Mieten, gibt es auch keine Sicherheiten. Die Banken oder Förderungen investieren am Ende direkt in euch und eure Qualifikationen. Als Erstes sollte ein Businessplan erstellt werden und am Ende dieses eine Finanzübersicht mit erwarteten Kosten und Einnahmen. Der Geschäftsplan bietet die Grundlage um an finanzielle Mittel zu kommen und eröffnet nebenbei noch einen neuen Blick auf eure Geschäftsidee. Folgende Punkte sollte der Businessplan beinhalten:

  • Zusammenfassung des Vorhabens
  • Produkte & Dienstleistungen
  • Markt und Wettbewerbsbetrachtung
  • Marketing und Vertriebsvorhaben
  • Geschäftsmodell und Organisation
  • Unternehmerteam (Beschreibung der einzelnen Personen inkl. Qualifikationsnachweise)
  • Chancen und Risiken
  • Gewinn & Verlustrechnung (wird von Banken erwartet)
  • Finanzplanung und Finanzierung

Diese Übersicht kann gerne als Index verwendet werden, jedoch sollten die einzelnen Punkte mit den für euer Geschäft wichtigen Unterpunkte ergänzt werden. Es reicht, wenn der Plan einen Umfang von 15-20 Seiten hat und als Anlage eure Lebensläufe und Zertifikate etc. beinhaltet. Mit dem Businessplan in der Hand geht es nun von Bank zu Bank. WICHTIG, sollte die erste Bank euch ein positives Feedback geben, verlasst euch nicht darauf! Der Berater mit dem ihr das erste Gespräch führt und eure Geschäftsidee vorstellt, ist in der Regel nicht auch der, der euch den Antrag genehmigt. Somit wird euer Businessplan von einer oft nicht IT affinen Person einer Dritten vorgestellt. Daher solltet ihr unbedingt mehrere Banken parallel ansteuern und eure Geschäftsidee möglichst nicht technisch beschreiben. Stellt euch vor ihr erklärt eure Idee euren Eltern. Da die Banken gerne Sicherheiten haben möchten, welche ihr nicht vorweisen könnt, werden die finanziellen Mittel nicht gerade hoch ausfallen. Bei drei Personen á sechs Monaten kommen jedoch einige Kosten für den eigenen Unterhalt zusammen. Daher hier ein Tipp: Die KfW bietet ein Förderprogramm an, welches jedem Gründer 30.000,-€ zur Verfügung stellt, diese plus die eigenen 25.500,-€ aus der Stammeinlage ergeben 115.500,-€ Gründungskapital. Durch die KfW hat die Bank auch kaum ein Risiko zu tragen. Der Antrag für die KfW Förderung kann nur durch eine Bank gestellt werden. Sucht euch ein Geldinstitut in einer Stadt aus, die bereits eine IT Firma gegründet hat und sich in der Branche auskennt und schlagt diese Art der Förderung vor. Besser wäre es natürlich wenn die Bank von sich aus den Vorschlag unterbreitet, dann wisst ihr, dass ihr gut beraten seid. Bei Banken in eher ländlichen Gegenden, gilt die IT und Themen wie Digitalisierung leider noch als Hexerei und wird eher nicht gefördert (Zitat: „Dieses IT Feld ist für uns nicht greifbar.“).

Gibt es noch weitere Förderungen?

Ihr habt eine Bank gefunden die euch grünes Licht gegeben hat und die Förderung wurde beantragt. Ihr habt nun die Sicherheit, dass ihr die Firma definitiv gründen werdet, um das Finanzielle wurde sich gekümmert, Zweifel und Vorstellungen wie es losgehen soll sind notiert und diskutiert worden. Damit wäre der erste Schritt erledigt, nun kann gekündigt werden. Achtet bei der Kündigung darauf im Guten zu gehen. Dies ist sehr wichtig, immerhin arbeitet ihr derzeit bereits in der IT und ggf. ist euer Arbeitgeber sogar in der IT Branche tätig. Hier möchte man es sich nicht verscherzen und riskieren, dass dieser euch später an den Kragen will. Wenn immerhin drei Leute gleichzeitig gehen, bekommt man als Arbeitgeber nicht gerade gute Laune. Die Kündigung ist überbracht und der Resturlaub eingereicht. Nun heißt es vorsichtig vorgehen. Beschränkt eure Gespräche bzgl. der neuen Firma auf ein Minimum während der Arbeitszeit oder sprecht besser nur außerhalb dieser darüber. Nun noch ein Tipp, ihr habt nun gekündigt und wollt euch selbstständig machen. Der Staat bietet für einen solchen Fall eine weitere Förderung die ihr nicht einmal zurückzahlen müsst, die Gründerförderung. Um eine Gründerförderung zu erhalten, müsst ihr die letzten fünf Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben und die letzten 24 Monate angestellt sein bzw. dürft dort keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld gestellt haben. Ihr habt jedoch nur dann Anspruch auf die Förderung, wenn ihr arbeitslos seid. Das bedeutet im Klartext, euer Gründungsdatum muss einen Tag Puffer nach dem Kündigungsdatum haben. Solltet ihr z.B. zum 31.12. gekündigt haben, so gründet ihr die Firma nicht vor dem 02.01. damit ihr mindestens einen Tag arbeitslos seid. Besser ihr gründet so, dass ihr den Antrag bei der Agentur für Arbeit bereits vorher angesprochen habt und den Antrag am Tag der Arbeitslosigkeit abgebt. Der Antrag wird offiziell nur für „schwer Vermittelbare“ genehmigt. Was komisch klingt, da man doch lieber Gründer mit hoher Qualifikation fördern sollte bei denen man davon ausgeht, dass es erfolgreich wird, als jene welche ohne Ahnung und Vorkenntnisse etwas gründen. Dies ist jedoch auch nicht damit gemeint, es geht vielmehr darum, dass versucht wird den Arbeitslosen an eine Firma zu vermitteln damit die Arbeitslosenquote sinkt. Hier ein Tipp um „schwer vermittelbar“ zu werden, sobald ihr euch arbeitslos meldet (direkt nach der Kündigung) müsst ihr bei der Agentur für Arbeit euer Profil erstellen, damit diese für euch nach Stellen sucht. Sucht einfach selbst im Vorfeld nach passenden Stellen im Jobportal der Agentur und merkt euch bei welchen Suchkriterien möglichst wenig Stellen herauskommen. Als Beispiel könnt ihr angeben, dass ihr die letzten Jahre immer als Team oder Abteilungsleiter gearbeitet habt und somit auch eine Stelle in diesem Bereich wieder in Frage kommt. Als Qualifikation gebt ihr dann Leitung, Projektleitung, etc. an. Natürlich solltet ihr nicht lügen, eure Zeugnisse der letzten Arbeitgeber und Zertifikate sollten dieselbe Sprache sprechen. Die Chance auf eine Zuteilung der Förderung ist nicht besonders hoch, kann aber so gelingen und bringt immerhin 6 Monate lange Weiterzahlung des Arbeitslosengeld 1 + 300,-€ on top. Nach Ablauf der sechs Monate bzw. kurz davor, könnt ihr einen Antrag auf Verlängerung stellen und somit immerhin die 300€ für weitere sechs Monate beantragen.

XY GmbH klingt merkwürdig, daher solltet ihr euch, falls nicht bereits geschehen, Gedanken um einen Namen machen. Die Namenswahl ist oft nicht einfach, daher hier ein paar Tipps auf was geachtet werden sollte:

  • Freie .de Domain
  • Prüft ob der Name bereits vergeben ist, googlen und eine Suche beim Marken und Patentamt reicht meistens
  • Der Name muss „klingen“, es sollte sich nicht kryptisch anhören, Zusammensetzung aus den Vor- oder Nachnamen klingen oft nach kleinen Betrieben, „Wokthe GmbH“ klingt doch merkwürdig
  • Macht euch direkt Gedanken über einen Slogan, eventuell erklärt er den Namen und bringt Licht ins Dunkle für Dritte, die mit dem Namen nichts anfangen können
  • Ein Logo sollte in Betracht gezogen werden oder zumindest die Art und Form wie der Firmenname aussehen soll
  • Phantasienamen sind natürlich immer möglich, allerdings kann dann keiner nachvollziehen, wie man darauf gekommen ist.

Nun steht er da, der Firmenname der euch die nächsten Jahre begleiten wird. Da ihr gerade erst gekündigt habt und es noch knappe drei Monate bis zur offiziellen Gründung sind, kann man ja die Beine hochlegen und die letzten Tage in der Firma genießen. Falsch! Nutzt die Zeit zur Vorbereitung, nichts ist wichtiger als sich gerade jetzt Gedanken über alle möglichen aufkommenden Themen zu machen und bereits Dinge erledigen für die ihr später keine Zeit mehr haben werdet, solltet ihr alle drei in Projekten stecken. Daher hier folgende Punkte die es zu erledigen gilt:

  • Jeder muss sich über die Rechte und Pflichten einer GmbH informieren
  • Ein Gesellschaftervertrag wird der Notar erstellen, im Vorfeld direkt informieren auf was geachtet werden soll. Am besten direkt beim Notar darauf hinweisen, dass ihr alle im Statusfeststellungsverfahren als Selbstständige gelten möchtet. Somit erhaltet ihr am Ende mehr Netto aus Brutto und genießt die Vorteile der Selbstständigen (z.B. keine Zahlung der Arbeitslosenversicherung und müsst nichts in die Rentenkasse einzahlen).
  • Besucht einen IHK Vorbereitungstermin zum Thema Selbstständigkeit, diese sind kostenlos und helfen bei nicht bedachten Themen.
  • Notartermin vereinbaren
  • Steuerberater aufsuchen und diesen als Buchhalter gewinnen, damit ihr in Zukunft keinen Stress mit dem Finanzamt und euren Abrechnungen habt.
  • Am besten vor dem Notartermin mit dem Buchhalter einen Finanzberater aufsuchen (vom Buchhalter empfehlen lassen). Diese haben oft sehr gute Tipps parat um später Steuern zu sparen, stellen euer Konzept in Frage und zeigen ggf. Schwachstellen auf. Dieser Besuch lohnt sich definitiv.
  • Betriebshaftpflichtversicherung beantragen
  • Visitenkarten erstellen und bestellen
perinco Visitenkarten
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  • Website erstellen (hier kann man sich an CMS Systemen wie WordPress oder Joomla bedienen und spart somit Zeit).
  • Networking: Alte Kontakte auffrischen, soziale Netzwerke aktivieren, Xing und LinkedIn nicht vergessen und sprecht über euer Vorhaben bei jeder Gelegenheit darüber (zumindest vor der Gründung).
  • Sucht euch einen Mobilfunkanbieter für die Firma, somit müsst ihr keine eigenen Kosten für die Handys tragen.
  • Zieht in Erwägung eine Festnetznummer für die Firma zu beantragen. Es wirkt seriöser wenn man sich an eine Ortsvorwahl wendet, anstelle nur Mobilfunknummern zu sehen.
  • Klärt mit euren derzeitigen Mobilfunkanbietern wann ihr kündigen könnt und wie ihr die Nummer übernehmt
  • Besorgt euch einen Exchange 365 Server, diesen könnt ihr selbst einrichten und kostet bei Microsoft gerade mal rund 4€ im Monat (jeden Cent Wert).
  • Besorgt euch, falls nicht vorhanden, Notebooks und stattet diese mit der neusten Office Version aus (oder einem Office 365 Abo).
  • Einigt euch auf Tools mit denen Ihr arbeiten wollt.
  • Setzt einen Dateiserver auf, als Tipp: Seafile, hier könnt ihr zusammenarbeiten, synchronisiert die Verzeichnisse und könnt vorherige Versionen von Dateien wiederherstellen.
  • Alternative zu Seafile: OneDrive oder Google Drive
  • Erstellt Vorlagen in Word, Excel, PowerPoint, etc.
  • Eine Firmenpräsentation sollte erstellt werden.
  • Klappert einzelne Freelancer Portale ca. einen Monat vor Gründung ab und erstellt dort eure Profile. Hier eine Liste der Portale:
  • Zieht Google AdWords in Betracht um Werbung zu schalten
  • Tragt euren Firmenstandort kurz vor Gründung bei Google Maps ein inkl. Telefonnummer und Öffnungszeiten
  • Erstellt eure Arbeitsverträge die ihr bei der Gründung gegenseitig unterzeichnen müsst.

Wie ihr seht gibt es die nächsten Wochen einen Haufen Arbeit zu erledigen, der euch am Ende jedoch den Weg ebnet, damit ihr euch während der Selbstständigkeit auf eure Kunden und Projekte konzentrieren könnt.

Die Gründung an sich steht nun bevor

Es ist Tag 1 nach eurem ersten und hoffentlich letzten Tag der Arbeitslosigkeit (nötig für die Gründerförderung), der Notartermin lief bereits erfolgreich und alle Ämter haben mitgespielt. Wichtig, der Notartermin sollte frühzeitig (ca. 1 Monat Bearbeitungszeit) erledigt werden, damit man bei der Gründung alle nötigen Unterlagen zusammen hat. Die Gründung an sich ist relativ unspektakulär, man nimmt die Unterlagen die man vom Handelsregister per Post erhält (nachdem der Notar die Firma eingetragen hat) und begibt sich zum zuständigen Gewerbeamt. Dies findet ihr in der Regel im Rathaus. Die Gründung wird direkt vor Ort eingetragen und das war es. Gratulation, ihr seid nun eine Firma mit allen Rechten und Pflichten.

Solltest du/ihr noch Fragen zur Gründung haben, könnt ihr euch gerne an uns wenden info@perinco.de oder über unser Kontaktformular direkt ansprechen. Wir helfen gerne und freuen uns wenn ein Unternehmen erfolgreich in die Geschäftswelt startet.

Sprechen Sie uns für eine individuelle Beratung einfach an!

Wir helfen gerne weiter.

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