Ich mache mich selbstständig! Und weiter?

In diesem Artikel geht es darum, wie du deine eigene Firma gründest und an was du denken solltest. Der Artikel mag nicht jeden Teilaspekt abdecken, versucht jedoch alles aufzuzeigen an was du denken solltest bevor du diesen Schritt gehst. Gerade in Bezug auf eine IT Beratung gibt es im Netz recht wenig Informationen, daher haben wir uns verpflichtet gefühlt hier ein paar Informationen bereitzustellen und Erfahrungen zu teilen, die wir selbst erlebt haben während unserer Gründungsphase.

Der Gedanke „Ich mache mich selbstständig“ ist mit Sicherheit schon vielen in den Kopf gekommen. Die meisten Menschen sind jedoch eher vom Typ Denker und weniger Macher. Solltest du dich am Ende dieses Artikels nicht sicher sein ob du dich noch selbstständig machen möchtest oder nicht, dann solltest du dir eventuell andere Optionen überlegen. Vielleicht findest du einen anderen Beruf oder Arbeitgeber, der dir deine Wünsche nach mehr Freiheiten auch als Angestellter erfüllen kann ohne, dass du dich selbst in die Selbstständigkeit begibst. Denn nur, wenn du von dir und deiner Idee/Produkt überzeugt bist, gelingt dir auch ein erfolgreicher Start in der Geschäftswelt.

Wo fange ich bei der Selbständigkeit an?

Beschreiben wir doch erst einmal die Ausgangssituation. Du befindest dich im Angestelltenverhältnis, hast ca. zehn Jahre Arbeitserfahrung als IT Administrator und bist in den letzten Monaten unzufrieden mit deinem Arbeitgeber. Der Gedanke der Selbstständigkeit schwirrt dir schon seit geraumer Zeit durch den Kopf und schon vor vielen Jahren hast du bereits mit Kollegen und Freunden darüber gesprochen es zu tun. Bisher hat einfach nie der Zeitpunkt gestimmt oder beruflich lockte eine Beförderung. Doch jetzt scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, du siehst kein Licht am Ende des Horizonts, der Chef, dem du untergeordnet bist, trifft aus deiner Sicht unsinnige Entscheidungen und du weißt ganz genau „ich kann das besser!“. Daher beschließt du nun dich selbstständig zu machen als … ja als was? Freelancer, oder doch direkt mit eigener Firma? Du hast gute Kollegen mit denen du dich seit Jahren sehr gut verstehst und zusammenarbeitest, würden sie mitmachen?

Warum willst du dich selbständig machen?

Nun kommt es auf deinen Beweggrund an. Ja, du willst in die Selbstständigkeit, weil du weißt du kannst es besser. Das Warum ist hier entscheidend. Willst du nur weg von deiner Arbeit oder bist einfach unzufrieden? Du solltest dir über deine Beweggründe gründlich Gedanken machen. Der Weg auf etwas hin ist grundsätzlich die bessere Wahl. Deine Motive und besonders deine Motivation hängen von diesen Gründen ab. Solltest du nur weg vom Chef wollen ist die Selbstständigkeit nicht die richtige Lösung. Der Aufwand, der viele Selbstständige schon am Anfang um den Verstand bringt, kann so zum schnellen Scheitern führen. Immerhin hast du dein Ziel, dich von der Firma zu lösen, bereits mit der Kündigung erreicht, alles andere ist nur noch belastend. Anders sieht es aus, wenn du auf etwas hinsteuerst. Hier hast du ein Ziel vor Augen, du willst etwas aufbauen, deine Träume und Ziele verwirklichen und du weißt genau, dass Ziel liegt noch in weiter Ferne und du musst etwas dafür leisten.

Gehen wir davon aus, dass du dich als IT Berater selbstständig machen möchtest, weil du ein Ziel vor Augen hast, du möchtest eine Firma gründen die alles besser macht, als das was du bisher erlebt hast. Du musst dir nun Gedanken darüber machen ob du dies alleine oder mit anderen machst. In diesem Beispiel entscheidest du dich für eine Firmengründung mit deinen Kollegen. Einen weiteren Kollegen hast du bereits in deine Pläne eingeweiht. ACHTUNG: Sei dir 100%ig sicher, dass du in die Selbstständigkeit gehen möchtest, bevor du mit deinen Kollegen sprichst. Je nach Kollege kann dies sonst ganz schnell nach hinten losgehen. Du musst bereit sein deinen aktuellen Job zu kündigen. Achte darauf, dass du ihn nicht abwerben möchtest, sondern vielmehr erklärst was du selbst vorhast. Sollte er Interesse haben wird er es schon äußern. Dies ist der richtige Zeitpunkt ihn zu fragen. Dein Kollege ist von deiner Idee begeistert und möchte mitmachen. Was steht als nächstes auf der Agenda?

Du und dein zukünftiger Partner solltet euch gegenseitig beraten. Trefft euch außerhalb der Arbeitszeit und sprecht folgende Themen an:

  • Beweggründe jedes einzelnen (passen diese zusammen?)
  • Welche Leistungen/Produkte wollt ihr anbieten?
  • Ziele auf lange Sicht aber auch kurzfristige Erfolge ansprechen
  • Zweifel aufnehmen und beseitigen
  • Persönliche Arbeitseinstellung und Wünsche für die Zukunft
  • Was muss zur Gründung alles gemacht werden?
  • Wie steht das private Umfeld zur Gründung (Partner oder Partnerin und Eltern)?
  • Wie soll die Finanzierung ablaufen?

 

Die Themen werden sich von ganz alleine ergeben. Wir raten zu einer Vorbereitungszeit von mindestens drei bis sechs Monaten. Mindestens einen Monat solltet ihr euch regelmäßig vor der Kündigung beim Arbeitgeber zusammensetzen um etwaige Zweifel direkt aus der Welt zu schaffen, damit man nicht ohne Absicherung seinen Job verlässt. Hier ein Tipp, falls nicht bereits bekannt, schaut euch Basecamp einmal an (www.basecmap.com). Basecamp ist ein Projektmanagement Tool, was für ein einzelnes Projekt gratis genutzt werden kann. Hier könnt ihr euch alle Gedanken und vor allem, alle offenen Punkte notieren. Nutzt auch YouTube und Co. es gibt unzählige Videos von Gründern für Gründer, die mit mehr oder weniger sinnvollen Tipps daherkommen. Versucht bei der Informationsgewinnung möglichst Quellen zu wählen von Firmen und Gründern aus einer ähnlichen Branche. Vermeidet „Sprücheklopfer“, jene die von sich erzählen und wie toll sie sind etc., denn natürlich kann man auch als solche Person viel Geld in kurzer Zeit verdienen, die Frage ist nur wie seriös man dabei sein möchte und welche moralischen Grundsätze man bereit ist zu vertreten.

Zwei Wochen nach der Idee und den ersten Gesprächen mit den zukünftigen Kollegen, seid ihr euch nun sicher, es passt! Die Beweggründe sind dieselben, ihr möchtet eine IT Beratung im Bereich Projektleitung und Support eröffnen und eure Leistungen habt ihr bereits gesammelt.

Nun stellt sich die Frage welche Art von Firma soll es werden? Es gibt diverse Möglichkeiten, hier eine Übersicht:

Rechtsform

Kurzbeschreibung

Einzelunternehmen

Das Einzelunternehmen ist die gängigste Rechtsform welche bei Freelancern verwendet wird. Solltest du dich entscheiden alleine in die Beratung zu wechseln, dann ist diese Rechtsform oft die erste Wahl.

GbR

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist recht einfach gegründet, ein Besuch beim Amt und eine Gebühr (zweistelliger Bereich) genügt bereits. Diese Form wird gerne verwendet, wenn man zu zweit eine Firma gründen möchte und alles durch zwei teilt.

UG

Die Unternehmergesellschaft (UG) ist das Gegenstück zur englischen Limited. Sie ähnelt der GmbH, jedoch ist keine Stammeinlage in einer Höhe von 12.500,-€/25.000,-€ nötig. In Deutschland genießt sie jedoch noch kein seriöses Ansehen.

OHG

Die offene Handelsgesellschaft (OHG) wird durch mindestens zwei Personen gegründet. Auch hier muss kein Stammkapital eingelegt werden, vielmehr haften die Gründer mit ihrem gesamten Vermögen wie bei einem Einzelunternehmen.

GmbH

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist in Deutschland die sicherlich seriöseste Rechtsform. Eine Stammeinlage von mindestens 12.500,-€ respektive 25.000,-€ muss jedoch getätigt werden. Bei einer GmbH denkt man nicht an einen 1-Mann Betrieb eher an ein großes Unternehmen. Zusätzlich haftet die Kapitalgesellschaft nur mit dem Firmenvermögen und das Geschäftsführergehalt ist eine Betriebsausgabe.

*Detaillierte Informationen der Rechtsformen bietet Wikipedia. Es wurden nur relevante Rechtsformen aufgezählt.

Die Wahl der passenden Rechtsform hängt natürlich davon ab, was Du genau vorhast. In unserem Beispiel willst du dich mit Kollegen aus deiner Firma zusammentun. Ihr wählt die GmbH da es die seriöseste Rechtsform in Deutschland zu sein scheint. Nun stellt sich die Frage, woher bekommen wir 25.000,-€ oder reichen auch 12.500,-€? Ja, es reichen auch die 12.500,-€, jedoch kann seit 2016 jedes Unternehmen sich Einblick in eure Firma verschaffen und feststellen ob ihr mit den vollen 25.000 oder nur mit 12.500 Euro gestartet seid. Zusätzlich sollte man nicht vergessen, dass bei der Einlage von 12.500,-€ für die restliche Hälfte die Gründer persönlich haften. Somit entscheidest du dich für die volle Höhe der Einlage. Ihr seid zu dritt, da jeder von euch gleichberechtigt sein soll, muss auch jeder dieselbe Höhe der Einlage erbringen. Somit einigt ihr euch auf 12.500€/Person. Jeder von euch hat noch etwas auf der hohen Kante oder leiht es sich bei Verwandten oder Freunden. Diese Summe sollte man schon aufbringen können ohne sich direkt in Schulden zu stürzen. Neben der Stammeinlage, welche man zwar auch direkt verwenden kann (oft wird geglaubt, dass diese nicht angerührt werden darf), sollte man noch ein Grundkapital beschaffen, welches einen über die ersten Runden bringt. Denn ein Satz solltet ihr während der Startphase nie vergessen „man muss Geduld haben!“. Ihr werdet feststellen, dass es zwar viele Projekte aber auch viele Freelancer und andere Firmen auf dem Markt gibt, daher kann es mehrere Monate dauern bis das erste Projekt an Land gezogen wurde. Daher benötigt man ein gewisses finanzielles Kissen, welches einem mindestens die ersten sechs Monate über die Runden hilft.

>>> Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels (verfügbar ab 21.05.2017).

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